Ein Sommernachtstraum auf dem Tuppenhof
von Birgit Hannemann
Die Premiere war ausverkauft und auch die zweite von insgesamt sechs Vorstellungen auf dem Tuppenhof, war sehr gut besucht. Kurz gesagt: Alle Darstellerinnen und Darsteller hatten Shakespeares rund 450 Jahre alte, vielschichtige Sprache mit ihren Doppelbödigkeiten und Wortspielen bestens im Griff.
Ein besonderes Lob gebührt Regisseur Sebastian Bente. Es ist ihm wieder gelungen, der professionellen Laienspielgruppe emotionale Tiefe und ein feines Gespür für die Hintergründe der einzelnen Figuren zu vermitteln. Überhaupt hat man den Eindruck, dass die Gruppe nach dem Tod des langjährigen Regisseurs Wilhelm Schiefer unter der Leitung des neuen jungen Regisseurs gut zusammengewachsen ist.
Alle Schauspielerinnen und Schauspieler – auch die Kinder – brachten ihre Rollen überzeugend auf die Bühne. Besonders hervorheben möchte ich Tetiana Afanasieva aus der Ukraine – ohne die Leistung des übrigen Ensembles zu schmälern zu wollen - die den Puck mit großer Präsenz und Spielfreude verkörperte und sowohl mimisch als auch sprachlich überzeugte, obwohl sie noch dabei ist, Deutsch zu lernen.
Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ zeigt, wie Liebe und Wirklichkeit durch Fantasie und Verzauberung ins Wanken geraten. Im Mittelpunkt stehen vier junge Menschen, deren Gefühle sich im Wald ständig verändern. Der Wald wird zum Gegenraum der geordneten Stadt Athen: Hier gelten andere Regeln, und scheinbar Unmögliches wird möglich. Durch den Zauber Pucks (Tetiana Afanasieva) werden die Liebenden verwirrt und erkennen, wie wechselhaft ihre Zuneigung sein kann. Die Feenkönigin Titania (Anett Schultze) und der Handwerker Zettel (Thomas Bente) verdeutlichen zusätzlich die komische und traumhafte Seite des Stücks. Auch die Handwerker spielen mit ihrer etwas unbeholfenen Aufführung auf die Wirkung und Illusion des Theaters an. Shakespeare nutzt das Stück Pyramus und Thisbe – das Stück im Stück – als humorvolle Parodie auf das zeitgenössische Theater, Täuschung und Verwechslung werden zum Kunstgriff.
Letztlich stellt Shakespeare die Frage, ob Liebe vernünftig und dauerhaft sein muss. Er zeigt, dass Gefühle oft unkontrollierbar sind und von äußeren Einflüssen abhängen und unsere Wahrnehmung täuschen können. Zugleich lädt er dazu ein, Phantasie und Theater als spielerische Flucht aus dem Alltag zu erleben. Am Ende kehren die Figuren in eine scheinbar geordnete Welt zurück. Das Stück feiert die Phantasie und macht deutlich, dass Theater die Grenzen zwischen Realität und Illusion spielerisch verwischen kann. Am Ende bleibt das Erlebte wie ein Traum, ein Sommernachtstraum.
Viele engagierte Menschen trugen zum Gelingen der Aufführung bei, auf der Bühne wie im Hintergrund. „Theater ist ein Teamsport“ sagt Regisseur Sebastian Bente dazu. Das Publikum belohnte das große Engagement und die schauspielerische Leistung aller mit lang anhaltendem Applaus (bh).-