„Es geht auch um Demokratie und Teilhabe.“
von Neuß-Grevenbroicher Zeitung
Von Antonella Malomo
Beim „Digital Independence Day“ trafen sich Bürger, um Alternativen zu großen Tech-Plattformen kennenzulernen und gemeinsam digitale Selbstbestimmung zu stärken.
KAARST (amal) Im Tuppenhof ging es am Sonntag um ein Thema, das viele Menschen zunehmend beschäftigt: digitale Selbstbestimmung. Beim sogenannten „Digital Independence Day“, kurz DI.DAY, kamen zahlreiche Interessierte zusammen, um sich über Alternativen zu großen Internetkonzernen zu informieren und voneinander zu lernen. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen ihre digitale Souveränität selbst in die Hand nehmen“, sagte Organisator Frank Ahlert. Der DI.DAY fand bereits zum vierten Mal statt.
Seit März trifft sich die Gruppe regelmäßig, meistens am zweiten Sonntag im Monat. „Es ist kein geschlossener Kreis“, betonte Ahlert. „Jeder ist herzlich eingeladen, dazu zu kommen, Fragen zu stellen und mitzumachen.“ Genau dieses offene Konzept machte den Reiz der Veranstaltung aus. Die Teilnehmer tauschten sich aus, diskutierten und halfen sich gegenseitig. „Miteinander lernen, das ist unser Ansatz“, sagte Ahlert. Im Mittelpunkt standen konkrete Hilfestellungen. Wie kann man von bekannten Diensten wie Whatsapp oder Gmail zu datenschutzfreundlicheren Alternativen wechseln? Welche Möglichkeiten gibt es jenseits von Facebook, Instagram oder X? Antworten darauf gab es direkt vor Ort, praxisnah und verständlich. Ein Schwerpunkt lag diesmal auf dem sogenannten Fediverse. Dabei handelt es sich um ein dezentrales Netzwerk sozialer Plattformen ohne zentrale Kontrolle und ohne Tracking. „Das ist Social Media ohne Algorithmen“, so Ahlert.
Gemeinsam wurde mit den Teilnehmern ein Profil erstellt. Marko Göpfert vom DI.DAY Neuss führte durch den Prozess. „Viele sind überrascht, wie einfach das funktioniert“, sagte er. Als Plattform wurde unter anderem Mastodon vorgestellt. Auch lokale Beispiele wurden genannt. So sind etwa das Kulturforum Kaarst oder der Neusser Politiker Jörg Geerlings bereits bei Mastodon aktiv und wurden als positives Beispiel vorgestellt. „Das zeigt, dass das längst kein Nischenthema mehr ist“, so Göpfert. Unterstützt wurde die Veranstaltung von verschiedenen Initiativen, darunter die Kaarster Linux Gruppe (KaaLUG) und der Initiativkreis Linux Rhein-Kreis Neuss. „Wir beraten regelmäßig zu Linux und Open Source“, erklärte ein Mitglied der KaaLUG. Auch außerhalb des DI.DAY gebe es Angebote. „Alle zwei Wochen kann man sich bei uns Unterstützung holen.“
Der DI.DAY selbst ist Teil einer größeren Bewegung. „Bundesweit gibt es rund siebenhundert Termine im Monat“, so Ahlert. Die Idee des Tages geht auf den Autor Marc-Uwe Kling zurück. Der erste DI.DAY fand im Januar 2026 statt. Seitdem wächst die Initiative stetig. In Kaarst hat sich schnell eine engagierte Gruppe gebildet. „Wir wollen ein dauerhaftes Netzwerk aufbauen“, so Ahlert. Dabei gehe es nicht nur um Technik. „Es geht auch um Demokratie und Teilhabe.“ Viele große Plattformen seien stark zentralisiert. „Das bringt Risiken mit sich – etwa beim Datenschutz.“ Der DI.DAY will Alternativen aufzeigen und Mut machen, neue Wege zu gehen.