Wenn Klaviermusik und Stepptanz verschmelzen
von Neuß-Grevenbroicher Zeitung
VORST (keld) Welch ein Abend! Die Kombination von perlender, akustisch perfekt dargebotener Klaviermusik und beinahe akrobatischem, sehr leichtfüßigem Stepptanz erwies sich am Freitag als äußerst genussvolles Programm. Im Rahmen des niederrheinischen Musikfestivals erlebten die Zuhörer im Tuppenhof Florian Noack am Flügel und Nikolai Kemeny als Stepptänzer. Der Titel „Scheunenzauber“ war diesem Premierenkonzert zu Recht verliehen, denn das Duo verzauberte alle Anwesenden.
Hinzu kam die urige Ausstrahlung des Vierkanthofs aus dem 18. Jahrhundert, der einen reizvollen Kontrast schuf: „Eine wunderschöne Atmosphäre und tolles Ambiente – genreübergreifend“, befand Anette Maiburg, künstlerische Leiterin des Niederrhein Musikfestivals, in ihrer Begrüßung. Jürgen Rau, Geschäftsführer des Museumsfördervereins Tuppenhof, unterstrich ebenfalls seine erwartungsfrohe Stimmung angesichts dieses außergewöhnlichen Konzerts.
Der vielfach ausgezeichnete belgische Pianist Florian Noack spielte ein jazzinspiriertes Programm mit Werken von James Johnson, Georges Gershwin, Maurice Ravel, Kurt Weill und Fats Waller, das Klassik und Jazz verband, zum Teil von Noack selbst bearbeitet. Er richtete sein Augenmerk vor allem auf die 20er Jahre, in denen sich beide Musikstile begegnen. Florian Noack erwies sich als ein Meister seines Fachs und entführte die Zuhörer mit seiner Kunst in eine Welt der Töne, in der jeder seinen Gedanken und Gefühlen nachhängen konnte. Dabei schien sein Spiel mühelos zu sein.
Der Großteil der Klavierstücke wurde von Nikolai Kemeny tänzerisch und auch pantomimisch begleitet. Kemeny lebt in Düsseldorf und ist Stepptänzer, Choreograf und Produzent. Er ist weltweit unterwegs, gibt Kurse und lebt quasi den zeitgenössischen Tanz. Im Tuppenhof stand er auf einem kleinen Podest und improvisierte zur Klaviermusik. Seine Stepptanzschuhe erzeugten den klassischen Sound eines Fred Astaire – die Schnelligkeit der Schritte wirkte mitreißend, noch verblüffender war aber, wie gut sie zur Musik passten: mal eher flink, dann wieder langsamer. Musik und Tanz gingen eine besondere Art der Kommunikation ein. Dabei verständigten sich die beiden Künstler oft durch Blickkontakt. Hier hatten sich zwei Menschen gefunden, die perfekt harmonierten.
Nikolai Kemeny wusste auch mit schauspielerischer Performance zu überzeugen. Das Publikum würdigte das Konzert mit lang anhaltendem Beifall nach jedem Stück und entließ die Künstler erst nach einer Zugabe. Ein Besucher fasste die gesamte Vorstellung mit einem Wort zusammen: „Hammer!“